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  • Silvio Zuellig

Rolling Grace



"Nice Truck!" - „Danke, danke…“ Unübertrieben hunderte Male schon haben wir das gehört, bestimmt ein halbes Dutzend Mal pro Reisetag. Als wir unser mobiles Zuhause im Sommer 2019 erhalten haben, war uns noch nicht bewusst mit was für einem Phänomen wir es zu tun bekommen. Nun begleitet es uns, Kilometer um Kilometer und Tag für Tag.


Elefantino, unser attraktiver Superstar, unsere charmante Diva mit ihren 6,5 Tonnen Grazie ist ein aussergewöhnlicher Blickfang und verführt unwiderstehlich. Erhobene Daumen aus entgegenkommenden Fahrzeugen, Passanten, die auf Gehsteigen stehen bleiben und sich nach uns umdrehen, breites Lächeln aus offenen Gesichtern, überall wo wir vorbei fahren. Es muss an dem imposanten Erscheinungsbild, der wohlproportionierten Eleganz, dem perlmuttsilbernen Finish liegen, denn es vergeht kein Tag ohne dass uns Leute zuwinken, fotografieren und fasziniert ansprechen. Die Firma Woelcke Fahrzeugbau hat ganze Arbeit geleistet und ist massgeblich für diese Popularität verantwortlich.


Überall wo wir stehen kommen Menschen auf uns zu. Einige wenige nähern sich dreist und respektlos, fotografieren ungehemmt und ungefragt unsere Privatsphäre, zeigen nur Neugier und kein Lächeln. Das ist dann jeweils die unwillkommene Variante. Die Meisten aber nähern sich rücksichtsvoll, freundlich und anerkennend. Ohne unser Zutun führt das zu unzähligen erfreulichen, bereichernden Begegnungen. Wie zum Beispiel mit Marcio. Und ab und zu wird mehr daraus, entstehen Freundschaften, wie bei Marcio. (siehe Blogbeitrag Portugal erster Teil)



Seelenblicke


Nach dem ersten Kontakt wird bewundernd gelobt und neugierig gefragt. Immer wieder mal können wir fasziniert beobachten was alles sich in den verklärten Blicken aus glänzenden Augen zeigt: Emotionen sind immer im Spiel, und das nicht zu knapp. Elefantino weckt Träume, fördert Sehnsüchte zutage, verleitet zu Schwärmereien und veranlasst Projektionen.


Einige Leute zeigen dabei mehr von sich selbst als ihnen bewusst ist. Bei dem, was unser Fernreisemobil alles verkörpert, geht es dann schon bald nicht mehr um 6,5 Tonnen Material und Technik, sondern vielmehr um ebendiese ungelebten Träume und unerfüllten Sehnsüchte. Um das Ausbrechen aus dem Alltag, die Flucht aus der Enge und das grosse Fernweh. Diese romantisierten Vorstellungen haben aber wenig gemeinsam mit dem real gelebten Mobile Living.


Das wiederum kennen andere: Deutlich anders läuft’s mit den Insidern, mit all den Overlanders, Offroad-Freaks und Fahrzeug-Technophilen…




Nerds unter sich


Über viele der beschriebenen Begegnungen hinweg habe ich ein feines Sensorium dafür entwickelt mit wem ich es zu tun bekomme. Es wurde oftmals zu viel, ich musste lernen zu filtern. Denn die Begegnungen mit dieser Art Interessierten kann zeitlich total ausarten.


Ist Jemandes erste Frage: „Was kostet der? Ich will auch so einen!“ hat er’s sich bei mir tendenziell schon verscherzt. Zielt die Frage darauf ab wer wir sind, was wir machen und wohin es denn gehen soll, ist’s schon besser. Will jemand sowas wie Gesamtgewicht oder etwas über die Zuschaltung des Allrad wissen, dann schenke ich ihm meine Aufmerksamkeit. Und wenn einer sich nach Achslasten, Differenzialsperren und die Lagerung der Wohnkabine erkundigt und zu erkennen gibt, dass ihm Fuso als Marke vertraut ist, zeigt er sich als fachkundig und hat mich damit voll am Fass.


Ein gutes Beispiel dafür ist eben dieser Marcio aus Portugal. Ein Nerd, ein Crack, ein Insider, der auch mobil lebt. Sofort haben wir uns begeistert und ausufernd in 1000 Details verloren. Wir konnten uns auch nach einer Stunde nur widerwillig aus dem Gespräch lösen. Eine erfrischende Begegnung mit Folgen. Das sind auch Momente, bei denen ich als immer noch relativ unerfahrener Einsteiger unglaublich viel von anderen lernen kann.



Der Link


Elefantino fällt auf. Damit überwindet er Distanz, schlägt Brücken, veranlasst Begegnungen. Und beim Reisen geht es ja im Wesentlichen auch darum Begegnungen zu erleben und Kontakte zu knüpfen. Der Attraktivität unseres Wohnmobils verdanken wir viel davon. Und es geht weiter…





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